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Die Sache mit dem inneren Konditormeister

Wenn man seit 25 Jahren trocken ist, blickt man ja auf so manche Episode der eigenen Karriere mit einer Mischung aus ungläubigem Kopfschütteln und gepflegtem Galgenhumor zurück. Man wird ja erfinderisch, wenn das Budget schrumpft, der Durst aber das Format eines sibirischen Winters annimmt.

Es war im Sommer vor mehr als einem Vierteljahrhundert. Die Haushaltskasse war nicht mehr nur leer, sie war quasi im Minusbereich kollabiert. Für die üblichen Verdächtigen aus dem Supermarktregal fehlte der letzte Euro. Aber der Pegel meldete unbarmherzig: „Joachim, wir haben ein logistisches Problem.“

Also besann ich mich auf meine unternehmerische Kreativität. Wenn das Budget für den großen Auftritt nicht reicht, muss man eben im Kleinen investieren.

Mein erster Geniestreich führte mich in die Backabteilung. Ich erwarb – völlig unauffällig, wie ich glaubte – eine strategische Menge an Rumaroma-Fläschchen. Stückpreis: ein paar Pfennige. Alkoholgehalt: sportliche über 50 Vol.-%. Zu Hause saß ich dann da, und fühlte mich wie ein Großbäcker vor dem Anstich. Das Problem? Diese Dinger sind dafür gedacht, einen ganzen Rührkuchen zu aromatisieren. Wenn man sich das Zeug pur hinter die Binde kippt, schmeckt man nicht nur den Alkohol, man mutiert augenblicklich selbst zum lebenden Christstollen. Mein Magen rebellierte sofort und stellte klar: Wir backen hier heute gar nichts mehr. Das war kein Rausch, das war ein Backunfall ersten Grades.

Nachdem der Versuch „Konditormeister“ krachend gescheitert war, schwenkte ich am nächsten Tag auf die medizinische Schiene um. Die Hausapotheke bot noch eine Flasche Klosterfrau Melissengeist. Ich las das Etikett: Stolze 79 Vol.-%. Ich rechnete kurz im Kopf nach – das war ja praktisch die doppelte Dröhnung eines ehrlichen Korns! Ein medizinisches Weltwunder.

Mit dem heiligen Ernst eines Apothekers goss ich mir die Kräuteressenz ein. Was die Werbung mit „Nie war er so wertvoll wie heute“ versprach, entpuppte sich beim ersten Schluck als orbitaler Großangriff auf meine Speiseröhre. 79 Prozent brennen dir augenblicklich jede Geschmacksknospe weg. Melisse, Alant, Enzian und Ingwer verbündeten sich zu einer Spezialeinheit, die meinen Magen im Sturm nahm – allerdings im negativen Sinn. Statt der erhofften Entspannung verbrachte ich die nächsten Stunden im Bad, während mein Körper lautstark versuchte, die gesamte Kräuterwiese wieder loszuwerden.

Heute, ein Vierteljahrhundert später, kann ich darüber lachen. Wenn ich heute beim Bäcker stehe und es riecht nach Rum-Rosinen, zucke ich immer noch kurz zusammen. Und den Melissengeist überlasse ich lieber denjenigen, die ihn sich bei Wetterfühligkeit auf die Schläfen reiben. Man muss eben wissen, wann man seine Lizenz als Hobby-Apotheker besser abgibt.

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