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Die erste Geburtstagsparty (Oder: Wie ich überlebte, ohne mein Gehirn zu fluten)

Früher sah meine Partyvorbereitung aus wie der Boxenstopp eines Formel-1-Wagens – nur dass mein Treibstoff aus Hopfen und Malz bestand. Bevor ich auch nur einen Fuß vor die Tür setzte, zelebrierte ich das sogenannte „Vorglühen“. Das bedeutete: Drei bis vier Bier und ein strategisch platziertes Schnäpschen als „Beschleuniger“.

Mein damaliges Ich war nämlich fest davon überzeugt: Ohne einen soliden medizinischen Grundpegel besitze ich die humoristische Anziehungskraft einer feuchten Raufasertapete. Ich hatte panische Angst, als der langweiligste Mensch des Abends in die Geschichte einzugehen oder – noch schlimmer – schweigend und betreten in der Ecke zu stehen und meine eigenen Schuhe anzustarren. Alkohol war meine soziale Superhelden-Maske.

Der Tag des jüngsten Gerichts: Ein 50. Geburtstag

Und dann passierte es. Die Einladung zum 50. Geburtstag eines guten Freundes flatterte ins Haus. Der Haken? Die Party war komplett alkoholfrei. Trocken. Ein Event, bei dem das härteste Getränk des Abends ein Rhabarber-Schorle-Mix war.

Als ich ankam, schrillten in meinem Kopf die Alarmglocken. Meine Komfortzone hatte sich schlagartig verabschiedet. Normalerweise hätte ich jetzt lautstark über irgendeinen belanglosen Blödsinn gelacht, den Tischnachbarn ungefragt umarmt und Witze erzählt, die ich am nächsten Morgen peinlich berührt bereut hätte.

Stattdessen stand ich da: nackt, schutzlos und... nüchtern.

Die unerwartete Wendung

Mangels flüssigem Mut tat ich etwas völlig Verrücktes: Ich ließ mich auf ein Gespräch mit einer Person ein, die ich kaum kannte. Und siehe da, das Unfassbare geschah:

Anstatt die üblichen Party-Floskeln abzufeuern, drifteten wir in ein richtig tiefgründiges Gespräch ab.

Meine Schlagfertigkeit (ohne Lallen)und meine Pointen saßen! Und das Beste daran? Sie machten auch grammatikalisch Sinn.

Das Wunder des Erinnerns war, das ich dem Gespräch nicht nur folgen konnte, ich habe mich am nächsten Tag sogar noch an jedes einzelne Detail erinnert. Ein absolutes Novum in meiner Party-Historie.

Ich musste feststellen, dass meine vermeintliche Schüchternheit nicht durch den Alkohol weggezaubert wurde. Der Alkohol hatte mich vorher nur so laut betäubt, dass ich mein eigenes Potenzial gar nicht hören konnte.

Es brauchte erst die gähnende Leere eines alkoholfreien Glases, um zu merken: Ich brauche gar keinen Promille-Schleier, um sympathisch zu sein. Das Vertrauen in mich selbst reicht völlig aus. Und das Schönste daran? Kein Kater am nächsten Morgen – weder im Kopf noch im Gewissen.

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