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Die Eliteliga der Logistik: Mein erster Tag als Dozent

Als ich den Raum der Umschulungsklasse, oberwiegend ausländische osteuropäische Mitbürger, für angehende Speditionskaufleute betrat, schlug mir eine feinstoffliche Atmosphäre entgegen, die sofort mein professionelles Herz erwärmte. Ein Blick in die Runde genügte, um festzustellen: Von den Alkoholdämpfen, die hier wie ein unsichtbarer Nebel im Raum standen, hätte man problemlos noch eine zweitägige Riesen-Fete für eine studentische Verbindung finanzieren können. Nachhaltigkeit wird hier eben großgeschrieben – warum Energie verschwenden, wenn man sie auch einfach ausatmen kann? Die Lehrgangsleitung hatte mich vorgewarnt, aber wohl leicht untertrieben was die Teilnehmer und deren Besonderheiten anging.

Ich beschloss, die Karten direkt offen auf den Tisch zu legen. Man will ja eine Vertrauensbasis schaffen.

„Guten Morgen. Ich bin Herr Heilmann, Ihr Dozent – und übrigens trockener Alkoholiker.“

Ein magischer Moment. Es war faszinierend zu beobachten, wie bei einigen meiner neuen „Musterschüler“ im Bruchteil einer Sekunde die Rollläden runtergingen. Das akustische und visuelle Wegschalten war fast greifbar. Ich musste mir das Schmunzeln mühsam verkneifen. Da dachten wohl einige: „Verdammt, der Mann hat den Röntgenblick, der riecht den Flachmann im Federmäppchen schon auf fünf Meter Entfernung.“

Die Oase der Erholung

Dass die Konzentrationsspanne von angehenden Logistik-Gurus naturgemäß der einer Eintagsfliege gleichte, war mir bewusst. Entsprechend ungläubig musste ich den Kopf darüber schütteln, dass es für einige schon nach den ersten zwanzig Minuten eine absolute Lebensnotwendigkeit darstellte, „mal kurz raus zu müssen“.

Offizielle Begründung: Dringender Sauerstoffmangel und dringende Telefonate mit „wichtige Familienangelegenheit“.

Inoffizielle Realität: Nikotinzufuhr im Akkord und das schnelle, nervöse Nachladen von Substanzen, die den harten Schulalltag erträglicher machen.

Besonders rührend fand ich den Kollegen in der zweiten Reihe, der auffällig unauffällig an seinem TetraPak nippte. Als ich an seinem Tisch vorbeiging, flüsterte er mir mit der unschuldigen Stimme eines Chorknaben zu: „Das ist nur Orangensaft, Herr Heilmann. Wegen der Vitamine.“ Klar, mein Freund. Und die Tatsache, dass deine Augenlider auf Halbmast hängen und der Saft verdächtig nach einer billigen Wodka-Eigenmarke riecht, liegt sicher an der Überdosis Vitamin C.

Ich atmete tief durch, schaute auf meine Unterlagen und dachte mir: Willkommen im logistischen Kompetenzzentrum.

Ich klopfte zweimal vernehmlich auf das Pult, fixierte die zwei spärlich verbliebenen Gestalten, die mich noch halbwegs fokussieren konnten, und eröffnete das neuronale Feuerwerk:

„Das Thema für heute: Ladungssicherung und Gefahrgut. Ich möchte jetzt mit Euch beiden sprechen... der Rest scheint ja ohnehin gerade mental auf großer Fahrt zu sein.“

Der kognitive Sturmlauf der Logistik-Elite

Nachdem ich die verbliebenen zwei Synapsen-Aktivisten im Raum direkt angesprochen hatte, entwickelte sich der Unterricht tatsächlich zu einer Art dynamischem Dialog. Man versuchte hier und da panisch, Kompetenz zu heucheln und sich einzubringen. Schließlich ging es um Ladungssicherung – ein Thema, zu dem offenbar jeder im Raum eine ganz persönliche, meist rechtsfreie Meinung hatte.

Der Vitamin-C-Experte aus der zweiten Reihe meldete sich mit schwerer Zunge und der philosophischen Frage, ob man eine Palette Wodka... Verzeihung, Orangensaft... beim Transport eigentlich extra verzurren müsse, oder ob das „durch das Eigengewicht der Kiste von selbst hält“. Ich lobte seinen Sinn für physikalische Optimierung, riet ihm aber dringend von einer Karriere als Lademeister ab.

Ein anderer Kollege, der gerade von seinem dritten „wichtigen Familiengespräch“ vor der Tür zurückkam, warf lautstark ein, dass man Gefahrgut am besten gar nicht beschriftet. „Wo kein Schild, da kein Kläger, Herr Heilmann!“ Ein genialer juristischer Ansatz, der bei der Autobahnpolizei mit Sicherheit für stehende Ovationen gesorgt hätte.

Gegen Mittag war die Luft im Raum so dick, dass man sie in Scheiben hätte schneiden und als Dämmmaterial verkaufen können. Das kollektive Niveau sank proportional zum Pegel und den Entzugserscheinungen.

Der finale Abflug um 13:00 Uhr

Als der Zeiger unaufhaltsam auf die Ziellinie von 13 Uhr zusteuerte, läutete ich das Ende dieser pädagogischen Kaffeefahrt ein. Die Klasse packte in Rekordgeschwindigkeit ihre Siebensachen – die motorischen Fähigkeiten kehrten beim Geräusch des Feierabends seltsamerweise blitzartig zurück.

Nur einer schaffte den Absprung nicht.

Mein sportlicher Freund mit dem Vitamin-O-Saft hatte den Zenit seiner Leistungsfähigkeit längst überschritten. Während die anderen bereits Richtung Ausgang drängten, saß er immer noch wie festgewurzelt auf seinem Stuhl. Seine Augen fixierten starr die Tischplatte, die Schwerkraft zog seinen Oberkörper unbarmherzig nach unten, und aus seinem Mundwinkel sickerte ein dezenter Faden puren Enthusiasmus'. Er war im Hier und Jetzt gefangen – beziehungsweise im tiefsten Delirium.

Ich trat an seinen Tisch, klopfte ihm sanft auf die Schulter und sagte: „Feierabend, Kollege. Die Ladung ist gesichert. Sie können nach Hause fahren.“

Er schreckte hoch, blickte mich mit völlig glasigen, orientierungslosen Augen an, versuchte mühsam zu salutieren und lallte mit einer Mischung aus absolutem Pflichtbewusstsein und schwerer Zunge:

„Jawoll... Herr Heilmann... ich... ich freue mich schon auf Montag!“

Ich schaute kurz auf den Kalender. Es war Freitag.

„Ich mich auch, mein Freund“, entgegnete ich mit einem mitleidigen Lächeln. „Ich mich auch. Aber schlaf erst mal das Wochenende aus. Du wirst es brauchen.“

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