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Der Saufdruck Überfall

Es war Dienstagabend, Punkt 18:00 Uhr. Ich schloss die Haustür hinter mir und der Tag steckte mir noch in den Knochen. Stress im Büro, nervige Diskussionen mein Kopf dröhnte. Und genau da, in der Stille des Flurs, schlug es zu. Mein Gehirn schrie nach dem gewohnten „Abschalter“. Dieser Saufdruck war kein leises Klopfen, er war plötzlich massiv da, wie eine Wand. 

Früher hätte ich nicht mal nachgedacht. Tasche in die Ecke, ab in die Küche, Kühlschrank auf, das Klirren der Flasche, das erste Glas. Der Autopilot war perfekt programmiert gewesen. 

Aber an diesem Tag blieb ich schon im Flur stehen. Ich zog nicht mal die Schuhe aus. Ich schloss die Augen und machte das, was ich in der Therapie gelernt hatte: Atmen. Ich zog die Luft vier Sekunden lang tief durch die Nase ein, hielt sie sieben Sekunden fest ich spürte den Druck in der Brust und ließ sie dann acht Sekunden lang mit einem tiefen Seufzen durch den Mund wieder raus. Ich sagte mir innerlich: „Ganz ruhig. Es ist nur ein Impuls. Wir sind hier sicher.“ Mein Puls beruhigte sich ein wenig. 

Ich wusste, ich musste das Muster brechen. Sofort. Anstatt in die Küche abzubiegen, ging ich stur geradeaus ins Badezimmer. Ich ließ die Tasche einfach liegen und stieg direkt unter die Dusche. Das warme Wasser auf der Haut half mir, den Arbeitstag physisch abzuwaschen. Es war wie ein neues Ritual: Ich wusch den Stress weg, anstatt ihn zu betäuben. Als ich die frischen Klamotten anzog, merkte ich, wie ich ein Stück Distanz zu diesem gierigen Verlangen gewann. 

Trotzdem, als ich danach in der Küche stand, um mir etwas zu essen zu machen, kreisten die Gedanken immer noch. Da war dieses fiese Flüstern im Hinterkopf: „Eines wäre doch jetzt egal...“ 

Ich wusste, dass ich das nicht allein durchstehen musste. Ich griff zum Handy und wählte die Nummer von meinem Mentor. Er ging sofort ran. „Hey“, sagte ich, und meine Stimme zitterte vielleicht ein bisschen, „ich habe gerade richtig Saufdruck. Können wir kurz fünf Minuten über was völlig anderes reden? Erzähl mir irgendwas, egal was.“ 

Wir redeten über seinen Garten, über das Wetter, über Belangloses. Während er erzählte, merkte ich, wie mein Gehirn langsam umschaltete. Der Fokus verschob sich weg von der Gier, hin zum Hier und Jetzt. 

Nach dem Auflegen atmete ich tief durch. Ich wusste wieder: Saufdruck war wie eine Welle im Meer. Sie rollte an, sie türmte sich bedrohlich hoch auf und man dachte, man ginge unter. Aber weil ich nicht versucht hatte, sie mit Gewalt aufzuhalten, sondern lernte, auf ihr zu reiten mit Atmen, mit neuen Routinen und mit Hilfe, flaute sie irgendwann zwangsläufig wieder ab. Sie zerschellte am Strand. Und ich? Ich stand noch. Nüchtern und ein Stück stärker als eine Stunde zuvor. 

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