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Das erste Date und der „feuchte“ Kuss

Es gibt Momente im Dating-Leben eines trockenen Alkoholikers, da wünscht man sich kurzzeitig die soziale Unbeschwertheit zurück, die einem früher ein simpler Gin Tonic vorgegaukelte hat. Stattdessen saß ich nun da: Erstes Date, gemütliches Café, die Chemie stimmte eigentlich bis zu dem Moment, an dem die unvermeidliche Frage nach der Getränkebestellung fiel.

Sie bestellte ein Glas Weißwein. Ich bestellte eine Rhabarberschorle.

Trinkst du gar nichts?, fragte sie, während sie mich mit diesem typisch neugierigen Blick musterte.

Da war er also, der magische Moment. Der Point of No Return. Man kann das jetzt natürlich dramatisch verpacken, mit gesenktem Blick und Grabesstimme: „Ich habe eine dunkleVergangenheit...“ Aber hey, wir sind ja nicht bei Rosamunde Pilcher. Also entschied ich mich für die schmerzlos direkte Variante.

Nein, ich trinke nicht. Ich bin trockener Alkoholiker.

Ich hielt kurz die Luft an und stellte mich innerlich auf das übliche Standard-Repertoire an Reaktionen ein. Typ A: Betretenes Schweigen und plötzliches Interesse an der Tischdekoration. Typ B: Das bemühte „Oh, wie stark von dir!“, gefolgt von der panischen Frage, ob sie ihr Weinglas jetzt verstecken muss.

Doch meine Date-Partnerin entschied sich spontan für eine völlig neue Kategorie. Sie legte den Kopf schief, sah mich völlig ernst an und fragte:

Und wie sieht denn das aus, wenn wir uns dann küssen?

Ich muss gestehen, mein Gehirn ging für etwa drei Sekunden in den Bluescreen-Modus. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit einer logistischen Anfrage zur oralen Promille-Übertragung.

In meinem Kopf ratterten sofort die skurrilsten Szenarien los:

-Muss ich vor jedem Kuss ein zertifiziertes Alkoholtestgerät herbeiholen?

-Gibt es einen gesetzlichen Mindestabstand nach dem Genuss eines Mon Chéri?

-Erleide ich einen Rückfall per Osmose, wenn sie vorher am Aperol genippt hat?

Ich schaute sie an, sie schaute mich an, und plötzlich fing ich an zu lachen. Es war ein absolut genialer, wenn auch unfassbar interessanter Eisbrecher für ein erstes Date. Keine falsche Pietät, kein Mitleid, sondern einfach eine herrlich pragmatische (und leicht verpeilte) Sorge um die zukünftige Knutsch-Kompatibilität.

Ich habe ihr dann versichert, dass ich beim Küssen glücklicherweise nicht sofort hochprozentig reaktiviert werde und mein Immunsystem weitaus stabiler ist als mein damaliger Hang zu billigem Weißwein.

Was soll ich sagen? Das Date war ein voller Erfolg. Und der erste Kuss? Der war absolut nüchtern betrachtet – einfach perfekt.

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